Fructose→ NAFLD↔ T2DM →metabolisches Syndrom

Fruktose ist ein Monosaccharid, das in Früchten, Saccharose (Haushaltszucker) und Honig vorkommt und über die Nahrung als Süßungsmittel in verarbeiteten Lebensmitteln und Maissirup mit hohem Fruktosegehalt (HFCS) aufgenommen wird, wobei letzterer üblicherweise in Säften (Softdrinks, Energydrinks), Frühstückszerealien und vorverpackten Lebensmitteln verwendet wird.

Die Fruktoseaufnahme hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts vervierfacht, was teilweise auf die Einführung von HFCS zurückzuführen ist.

Bei der Verdauung von Saccharose entstehen Glukose und Fruktose, die beide durch die hepatische Pfortader direkt zur Leber transportiert werden.

 

Die Ernährungsgewohnheiten und die Ernährung haben sich in den letzten Jahrzehnten sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern stark verändert, was zusammen mit der sitzenden Lebensweise zu einem dramatischen Anstieg von Fettleibigkeit, Metabolischem Syndrom, nichtalkoholischer Fettleberkrankheit (NAFLD) und Typ-2-Diabetes geführt hat, wobei besonders die rasche Zunahme der pädiatrischen NAFLD weltweit zu einer der Hauptsorgen geworden ist.

Ein erhöhter Zuckerkonsum wird zunehmend als eine Ursache für die weltweiten Epidemien von Fettleibigkeit und Diabetes und die damit verbundenen kardiometabolischen Risiken angesehen.
Aufgrund seiner einzigartigen metabolischen Eigenschaften kann die Fruktosekomponente des Zuckers besonders schädlich sein. Eine Ernährung mit hohem Fruktosegehalt kann schnell alle Schlüsselmerkmale des metabolischen Syndroms hervorrufen.

 

Die Hauptkomponente der „Ernährungsumstellung“ ist nicht nur die mangelnde körperliche Aktivität angesichts zusätzlicher Kalorien, sondern insbesondere die Erhöhung des Zuckerzusatzes vor allem in zuckergesüßten Getränken (SSBs). Der Verzehr von SSBs, bestehend aus Getränken mit Fruchtgeschmack sowie Sport- und Energiegetränken, ist die Hauptquelle für zugesetzten Zucker.

 

Die gebräuchlichsten Süßungsmittel sind Saccharose (mit 50% Glucose und 50% Fructose) und HFCS ‑ Maissirup mit hohem Fructosegehalt (bis zu 55% Fructose).

 

Er macht etwa 15-17% der gesamten täglichen Energiezufuhr in der westlichen Ernährung aus, damit überschreitet er den empfohlenen Grenzwert von 10% der TEE – das sind ca. 50g Zucker - respektive 5% („conditional recommendation“) für zugesetzte freie Zucker (Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation 2018).

 

 

"Wir haben handfeste Beweise dafür, dass die Einnahme von freiem Zucker auf weniger als 10% der gesamten Energiezufuhr das Risiko von Übergewicht, Fettleibigkeit und Karies verringert"
Dr. Francesco Branca, Direktor der WHO-Abteilung Ernährung für Gesundheit und Entwicklung.

 

Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass der Verzehr von Fruktose und anderen mit Zucker gesüßten Getränken mit Insulinresistenz, zunehmender Fettleibigkeit, intrahepatischer Lipidakkumulation und Hypertriglyceridämie in Verbindung gebracht wird. Langfristig können diese Risikofaktoren zur Entwicklung von Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.
Weiterhin wäre es möglich das sich die epigenetische Regulation der intestinalen Fruktose-Transporter während der frühen Entwicklung ändert, wodurch die Absorption von zukünftig aufgenommener Fruktose aus dem Gastrointestinaltrakt effizienter würde und dadurch weitere Schäden induziert werden könnten.
Fruktose wird im Dünndarm resorbiert und in der Leber metabolisiert, wo sie die Fruktolyse, Glykolyse, Lipogenese und Glukoseproduktion stimuliert. Dies kann zu Hypertriglyceridämie und Fettleber führen.

 

Neben verschiedenen anderen Faktoren ist bekannt, dass übermäßiger Fruktosekonsum die nichtalkoholische Fettleberkrankheit (NAFLD) begünstigt, da Fruktose sowohl ein Substrat als auch ein Induktor der hepatischen de novo‑Lipogenese ist.

 

Ob ein erhöhter Fruktose- bzw. Zuckerkonsum wesentlich zu den Epidemien von Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und nichtalkoholischen Fettleberkrankheiten beiträgt, bleibt aber umstritten.
Aber der kausale Zusammenhang zwischen der Aufnahme sog. „freier Zucker“ (zugesetzter Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln) und der Entstehung von Übergewicht/Adipositas, kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes gilt bei der WHO, sowie im Bericht der EU Kommission von 2018 und bei Ernährungsmedizin und Ernährungswissenschaft als gesichert.
Die Auswirkungen von Fruktose in Mengen, die dem üblichen täglichen Konsum nahekommen, sind jedoch nicht gut untersucht worden. Eine Studie zeigt deutlich, dass moderate Mengen an Fruktose und Saccharose die hepatische Insulinsensitivität und den Lipidstoffwechsel im Vergleich zu ähnlichen Mengen an Glukose signifikant verändern.

 

Viele der schädlichen Wirkungen (z.B. Insulinresistenz, Hyperinsulinämie, Hypertriglyceridämie und Bluthochdruck) lassen sich durch eine Verringerung der Fruktoseaufnahme mit der Nahrung wieder rückgängig machen.

 

 

„Ab 30g Fructose entsteht eine Streßreaktion in der Leber und es wird vermehrt Harnsäure gebildet und es bildet sich eine Fettleber aus.“

 Prof. Andreas Pfeiffer (Deutsches Institut für Ernährungsforschung)

 

 

 

Fruktose in Obst

Obwohl Fruktose natürlicherweise in Obst und Gemüse vorkommt, stellt der Verzehr dieser Lebensmittel kein Problem für die menschliche Gesundheit dar und kann sogar vor Diabetes und kardiometabolischen Funktionsstörung schützen.

 

Darüber hinaus ist der Verzehr von ganzen Früchten und Gemüse nachweislich mit einer verringerten vorzeitigen Mortalität verbunden.

 

Der Unterschied mag in der Tatsache liegen, dass die Fruktose hier mit Ballaststoffen, sek. Pflanzenstoffen einherkommen, die die Wirkung verzögern oder eindämmen und die Früchte sättigen anstatt Heißhungerattacken auszulösen.

 

Die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass gerade die industriell hergestellte Fructose – im Gegensatz zum natürlich enthaltenen Fruchtzucker in Obst – für die Gesundheit problematisch ist.

 

HFCS - High fructose corn syrup

Maissirup

Wer Maissirup hört, denkt wahrscheinlich an Mais, natürlich und Natur und liegt doch so weit daneben!
In Deutschland und Europa war der Einsatz des Zuckerkonzentrats bis Oktober 2017 stark reglementiert.
Der Zusatz durfte maximal 5% eines Lebensmittels ausmachen. Seit kurzem dürfen Hersteller so viel davon zusetzen, wie sie wollen. Und das tun sie auch, schließlich ist der HFCS billiger als Haushaltszucker, hat eine höhere Süßkraft und macht Lebensmittel haltbarer. Aber für unsere Gesundheit kann das negative Folgen haben.

 

In Deutschland ist HFCS unter der Bezeichnung Glucose-Fructose-Sirup (wenn mehr als 5% Fructose enthalten sind) oder Fructose-Glucose-Sirup (sobald der Fructoseanteil überwiegt) bekannt, eine weitere Bezeichnung ist Isoglucose.
Während bei HFCS / Isoglucose Fructose und Glucose in jeweils freier Form vorliegen, sind diese beiden Moleküle in der Saccharose (Haushaltszucker) miteinander verbunden.

 

Bei einem Fruktoseanteil von über 42 % schmeckt die Mischung süßer als herkömmlicher Haushaltszucker aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr.

 

Quellen:

Isoglukose: Was Verbraucher wissen müssen,Foodwatch

Vorsicht! EU hat den Zuckermarkt neu geregelt – Gefährlicher Industriezucker – Maissirup, der neue Süßstoff; Netzfrauen

The toxic truth about sugar; Nature 2012

 

Fructose metabolism and metabolic disease, Journal of Clinical Investigation 2018

Dietary Fructose and the Metabolic Syndrome; Nutrients. 2019

Fructose and NAFLD: The Multifaceted Aspects of Fructose Metabolism; Nutrients. 2017

Wie Fructose den Stoffwechsel stört; PZ 2017

Hepatic Adverse Effects of Fructose Consumption Independent of Overweight/Obesity; Int. J. Mol. Sci. 2013

Absorption capacity of fructose in healthy adults. Comparison with sucrose and its constituent monosaccharides; BMJ 1986

The scientific basis of recent US guidance on sugars intake; The American Journal of Clinical Nutrition 2003

Moderate Amounts of Fructose Consumption Impair Insulin Sensitivity in Healthy Young Men;

Diabetes Care 2013 Jan

Mechanisms Of Fructose Absorption; Clin Transl Gastroenterol. 2015

Acute effects of feeding fructose, glucose and sucrose on blood lipid levels and systemic inflammation; Lipids in Health and Disease 2014

Studies of the mechanism of fructose-induced hypertriglyceridemia in the rat; Metabolism 1982

Does fructose consumption contribute to non-alcoholic fatty liver disease?

Clinics and Research in Hepatology and Gastroenterology 2012

Fruktosetransporter, DocCheckFlexikon // GLUT5 - en.Wikipedia // SLC2A5

BFR Bewertung

Added Fructose: A Principal Driver of Type 2 Diabetes Mellitus and Its Consequences; Mayo Clinic 2015

Ende der Zuckermarktordnung: Nordzucker nimmt es sportlich; TopAgrarOnline

 

High fructose corn syrup and diabetes prevalence; A global perspective; Global Public Health 2012

https://www.theatlantic.com/health/archive/2012/11/study-countries-that-use-more-high-fructose-corn-syrup-have-more-diabetes/265607/

 

Fructose- and sucrose- but not glucose-sweetened beverages promote hepatic de novo lipogenesis: A randomized controlled trial. März 2021