Schwangerschaft

Schwangere sind durch Ihre Ärzte und Hebammen hierzulande top versorgt und informiert.
Aber auch, wenn meine Hilfe hier wohl kaum nötig ist, möchte ich doch ein paar grundlegende Informationen bereitstellen.

Bereits präkonzeptionell, also bei der Planung einer Schwangerschaft, sollte Folat, ca. 400µg täglich, supplementiert werden, um das Risiko eines Neuralrohrdefektes zu minimieren.

  • der Tabakkonsum sollte sofort eingestellt werden (auch kein Passivrauchen)
  • keinen Alkohol  →  FAS (fetales Alkoholsyndrom s.u.)
  • Streß vermeiden  😀
  • erhöhter Energiebedarf ab dem 4. Schwangerschaftsmonat von ca. 255 kcal / Tag
  • erhöhter Proteinbedarf ab dem 4. Schwangerschaftsmonat (+ 10g / Tag)
  • in den letzten Schwangerschaftsmonaten leicht erhöhter Flüssigkeitsbedarf

 Die Gewichtszunahme sollte bei ca. 10 kg bis 16 kg liegen (bei normalgewichtigen Frauen).

Listeriose und Toxoplasmose

Auch wenn diese beiden Infektionen in Deutschland sehr selten sind, etwa 40 Fälle von Toxoplasmose und Listeriose in der Schwangerschaft wurden dem Robert Koch-Institut im Jahr 2014 gemeldet, sollte man gewisse Regeln berücksichtigen.

 

Die Erreger der Toxoplasmose (Parasiten) werden durch Katzenkot, rohes Fleisch, aber auch durch Erde (Gartenarbeit!) übertragen. Schwangere Katzenhalterinnen sollten überlegen, die Reinigung  der Katzentoilette, an eine andere Person zu übertragen bzw. erhöhte Vorsicht walten lassen.

 Listerien finden sich in diversen Lebensmitteln und vermehren sich auch noch im Kühlschrank.

 

Das bedeutet, dass man Salami, Teewurst, Mettwurst, Cabanossi, Cervelatwurst, Shushi, Sashimi, Shrimps, Garnelen, Austern, Räucherlachs, Mayonnaise (aus rohen Eiern), Tiramisu, Zabaione, Camenbert meiden sollte.

Schwangere sollten ihre Speisen möglichst kurz vor dem Verzehr zubereiten und rasch verbrauchen. In Restaurants und Kantinen sollten sie möglichst Speisen verzehren, die direkt vor dem Verzehr erhitzt wurden

Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

Gestationsdiabetes (GDM) ist eine Störung der Blutzuckerverarbeitung in der Schwangerschaft.
Dies kann nur mit einem Blutzuckerbelastungstest (oGTT) festgestellt werden, welcher üblicherweise zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche gemacht wird.

 

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland rund 758.783 Geburten vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) erfasst. Die ausgewerteten Daten repräsentieren 99,6% der erwarteten Geburten. Bei den Müttern lag in 40648Fällen (5,38%) ein Gestationsdiabetes vor.

 

Die Prävalenz für GDM liegt einer Auswertung von 2017 bei 13,2%, wobei sie mit zunehmendem Alter ansteigt (ab 45. Jahren liegt sie bei über 26%).

 

In den letzten 15 Jahren ist die GDM weltweit deutlich angestiegen, dies liegt an der Veränderung der Screeningverfahren, dem höheren mütterlichen Alter und Ihrer Adipositas.

 

In 80% der Fälle reicht eine Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten aus, um die Blutzuckerwerte wieder normalisieren.

 

FAS (Fetales Alkoholsyndrom) / FASD (Fetale Alkoholspektrumstörungen)

In Deutschland sind bei ihrer Geburt schon etwa 10 000 Kinder pro Jahr durch Alkohol geschädigt.

Über 2 000 weisen schwerste Entwicklungsstörungen auf.

Die Schädigungen, die durch intrauterine Alkoholexposition hervorgerufen werden, werden unter dem Oberbegriff

Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD, fetal alcohol spectrum disorders) zusammengefasst.

Die Auswirkungen des FASD sind körperliche und geistige Retardierung („Zurückgebliebenheit“), das Risiko für eine Intelligenzminderung ist um den Faktor 19 erhöht!

Es kommt zu Wachstumsstörungen, Missbildung der inneren Organe (Herzfehler, Fehlbildung der Niere), das ADHS‑Risiko ist signifikant erhöht, es kommt zu typischen Gesichtsfehlbildungen, Impulskontrollstörungen und ein großer Teil wird als Erwachsener ebenfalls Alkoholiker…

 

Besonders gefährlich ist der Alkoholkonsum, auch sehr kleiner Mengen, im ersten und zweiten Trimenon (Schwangerschaftdrittel).

Was ist eine sehr kleine Menge: 100 mL Rotwein, ein Glas Kölsch / Bier – diese Mengen sind im Normalfall unbedenklich, aber in der Schwangerschaft sind sie Gift für Dein ungeborenes Kind!

Im Vergleich zu anderen neuropädiatrischen Erkrankungen wie z. B. dem Down-Syndrom mit einer Prävalenz von ca. 0,1 bis 0,2 % und der Cerebralparese mit einer Prävalenz von ca. 0,2 bis 0,3 % kommt das Fetale Alkoholsyndrom in Deutschland sehr häufig vor.

Quellen:

Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft - Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks „Gesund ins Leben

Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ ist angesiedelt im BZfE (Bundeszentrum für Ernährung) und der BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung)

 

Gofeminin - Aufgeklärt: Das darf man in der Schwangerschaft nicht essen

 

GDM

  • S3‑Leitlinie: Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge
  • The Prevalence of Gestational Diabetes (Ärzteblatt, 2017)
  • Schwangerschaftsdiabetes (NetDoktor)

FAS (fetales Alkoholsyndrom) / FASD

oGTT (Oraler Glukosetoleranztest)